Wolfgang:
"Nach über 4 Jahren werde auch ich einmal rückblickend über unsere Beziehung, die mit einer Parship-Anfrage begann, reflektieren. Ich hatte, nachdem ich bei Parship registriert war, mir erst einmal mein Testergebnis genau durchgelesen, um hinter die Bedeutung der einzelnen Beurteilungen zu kommen und um eigene Gewichtungen vorzunehmen.
Unter den 'Profilen' mit mich näher interessierenden Selbstbeschreibungen war eines, das ich immer wieder las, zur Seite legte, wieder hervorholte, las und wieder zur Seite legte. Es war das Profil einer Lehrerin aus Nordrhein-Westfalen, welches mich immer wieder anzog. Nordrhein-Westfalen! Dies erschien mir dann doch etwas zu weit, zumal ich als Fahrrad- und Bahnfahrer ohne Führerschein darauf bedacht war, in nicht so weiter Entfernung eine Partnerin zu finden, und ich in einer norddeutschen Großstadt mit sehr guten öffentlichen Verkehrsverbindungen wohne und arbeite.
Nachdem ich einige Kontaktgesuche selber geschrieben bzw. erhalten hatte, erhielt ich ein Kontaktgesuch von - ja, genau - dieser besagten Lehrerin aus NRW! Der Stil war für mich außergewöhnlich und wiederum auch interessant - im Vergleich zu den anderen sporadischen Kontakten.
Die darauf folgenden Briefe (Mails) wurden immer länger, interessanter und zogen sich beim Verfassen oft bis spät nachts hin - mit entsprechend verminderten Schlafsequenzen. Nach ca. 1 Monat tauschten wir die Tel.-Nr.n aus und führten fast täglich lange Gespräche über die 'volle Bandbreite' (Kultur in den verschiedensten Ausrichtungen, Kinder, Politik, eigene (An-)Gewohnheiten, u.a.m.). Es tat sich mir eine große Wesens- und Interessensübereinstimmung auf. Dieses Empfinden wurde nach dem ersten und den darauf folgenden Treffen noch verstärkt und hatte sich dann zu einer großen Vertrautheit und Zuneigung aufgebaut.
Zu den jeweils vorhandenen erwachsenen Kindern (3+2) haben wir ebenfalls ein vertrauensvolles Verhältnis aufgebaut, welches gegenseitig ist. Alles in allem: Ich bin froh und dankbar dafür, dass ich Veronika kennengelernt habe, zumal mit der Zeit aus Vertrautheit/Zuneigung auch Liebe entspross. Unsere gemeinsame Gesprächsintensität ist noch die gleiche wie zu Beginn unseres Kennenlernens. Über 3 Jahre bin ich an mindestens jedem 2. Wochenende zu Veronika gefahren (Entfernung ca. 400 km - reine Bahnfahrtzeit ca. 3,5 -4 Std.). Wir haben aber auch in dieser Zeit schon diverse längere Zusammenlebensphasen erlebt. Mittlerweile bin ich im Ruhestand und habe nunmehr auch meinen Hausstand aufgelöst und bin zu ihr gezogen.
Ab und zu fragen wir uns scherzhaft, wann denn nun der erste Streit kommen wird. Über unser Zusammenwohnen in diesem neuen Lebensabschnitt freuen wir uns beide sehr. Meine Kinder, Enkelkinder und meine sonstige Verwandt-/Bekanntschaft fahre ich nun halt in diesmal umgekehrter Richtung besuchen."
Veronika:
"Jetzt gehen wir schon auf unser 5. Weihnachten zu. Zeit, endlich mal an Parship, unseren Glücksvermittler, zu schreiben.
Silvester 2004: Angesichts des Tsunamis kamen mir viele Gedanken, auch über mein eigenes Leben, meine Zukunft. Ich lebte bereits 2 Jahre allein, nachdem meine Kinder das Haus verlassen hatten. Wie sollte meine Phase in den 50ern aussehen? Alleinleben war kein Problem für mich, aber auch die nächsten 20 Jahre? Vielleicht doch nicht so verlockend. In meiner spießigen Kleinstadt sah ich keine großen Chancen, einen passenden Partner mit meinen Interessen zu finden, zumal mir das aufgebrezelte Herumstehen bei jedweder Vernissage etc. mit erwartungsschwangeren Gefühlen schon rein ökonomisch nicht sehr sinnvoll erschien. Man sagt ja, dass die Chance, mit über 50 einen Partner zu finden, geringer ist, als vom Blitz erschlagen zu werden ...
Der Trick von Parship mit dem kostenlosen Test funktionierte perfekt. Ich zahlte und mailte mit mehreren Männern, debattierte über Politik und Religion, tauschte mich aus über Kinder, Beruf, Kultur etc. Einmal traf ich mich mit einem Parshipper im Museum, mit einigen telefonierte ich in angenehmer Atmosphäre.
Dann klickte ich Wolfgang (IT-Ingenieur) an, schickte ihm neben meinem Profil einen inzwischen (wie ich meinte) ausgefeilten Text. Seine Reaktion: der sei ja so abgehoben, ob ich bei der Formulierung 3 m neben mir gestanden hätte. Das fand ich unangemessen, statt froh (oder geehrt) über mein Kontaktangebot zu sein, kritisierte er mich! So bekam er auch den Aliasnamen 'Wolfgang-Kritik'.
Die anderen Kontakte plätscherten so vor sich hin. Von einer Parship-Freundin war ich gewarnt worden: Nimm es nicht persönlich, wenn dich einer einfach wegklickt oder nicht antwortet! Erstaunlicher waren für mich Herren, deren Hauptinteresse ihrem BMW und ihrer Rolex galten, hatte ich mich doch ganz klar als konsum-/kapitalismuskritisch, sozial engagiert und eher rot/grün beschrieben. Schreiben diese Herren Reihenbriefe, ohne das Profil gelesen zu haben?
Wolfgang meldete sich längere Zeit nicht, nachdem er erwähnt hatte, für meine Mails brauche man erst einmal Zeit, sie zu verstehen und einzuordnen. Außerdem mache ihm meine Kleinschreibung bei langen Texten und seinem kleinen Laptop auf halbdunkler Terrasse Probleme. Schon wieder Kritik! Er machte seinem Namen wirklich Ehre! Später erfuhr ich den Grund seines Schweigens: Er hatte Internet-Probleme und war anschließend verreist.
Nach weiteren immer länger werdenden Mails und regelmäßigen Telefonaten trafen wir uns endlich in seiner norddeutschen Heimatstadt. Lange Überlegungen bzgl. Kleidung hatten ihn wohl nicht gequält: Birkenstock mit nackten Männerfüßen, Cordhose mit leichten Gebrauchsspuren, schlabberiger Leinenbeutel mit dem obligatorischen Spiegel (auch ich gehe nie ohne aus dem Haus!), Brille aus den 70ern ... Wir frühstückten lange und trafen uns erneut am nächsten Abend auf einem Stadtfest. Die Themen wurden immer breiter, unsere Sozialisation war sehr unterschiedlich, aber unsere geistigen Entwicklungen, Lebensphasen, politischen und weltanschaulichen Werte waren erstaunlich ähnlich. Die gleichen Bücher, die gleichen aufbewahrten Zeitungsartikel, die gleiche Einordnung von vergangenen politischen und journalistischen Ereignissen. Auch die Lust am Formulieren und der ironische Umgang mit Sprache! Es war eine wirkliche Seelenverwandtschaft, die sich da auftat.
14 Tage später besuchte Wolfgang mich. Meine etwas ausgefallene Wohnsituation nahm er gelassen hin. Und 2 Wochen später verbrachten wir ein sehr inniges Wochenende in seiner Ferienwohnung auf Juist.
Seitdem sind wir ein Paar, vertraut, selbstverständlich, liebevoll, harmonisch, v.a. seelenverwandt und gleichzeitig konfliktfähig bei unterschiedlichen Ansichten. Als ich vor über 1 Jahr in ein neues Haus zog, suchte Wolfgang dieses auch schon mit aus. Und jetzt hat die Wochenendbeziehung endlich ein Ende.
Es ist für mich ein großes Glück, diesen Menschen getroffen zu haben, dafür bin ich dem Himmel auf Erden: Parship dankbar. Ich kann nur jedem diesen Weg empfehlen und wünsche allen, die noch suchen, viel Erfolg!"